Eishockey-WM 2014: Verantwortlich entscheiden statt schweigend aussitzen
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Als sich am vergangenen Wochenende der Eishockey-Weltverband IIHF traf, fragten sich viele, ob der Verband unter dem Eindruck der Diskussionen der letzten Wochen eine Verlegung der Eishockey-WM 2014 beschließen würde. Welche Argumente würden sich am Ende durchsetzen?
Ich bin weniger davon enttäuscht, dass die WM nach wie vor in Weißrussland ausgetragen werden soll. Mehr von der Art und Weise. Wer die Vorberichte und Kommentare der Funktionäre verfolgt hatte, dem war bereits klar, dass keine Änderung zu erwarten war. Zutiefst bedenklich ist allerdings, dass es überhaupt keine Diskussion darüber gab. Einzig der deutsche Verbandschef hatte sich überhaupt zu Wort gemeldet. Nach diesem Wochenende ist klar, dass der Verband auch nicht der Meinung des deutschen Verbandschefs folgen wird, der gefordert hatte, die WM 2014 als Bühne zu begreifen um auf Missstände hinzuweisen.
Der IIHF hat die große Chance verpasst, die Verantwortung und Rolle des Sports endlich anzuerkennen. Die Funktionäre hätten das Für und Wider von Boykott oder Austragung der Weltmeisterschaft ernsthaft beraten und auch Konsequenzen für die künftige Vergabe solcher Großereignisse ziehen müssen, etwa die Einführung von demokratischen Mindeststandards. Aber entgegen aller Realitäten wollen sie den Sport erneut für unpolitisch erklären und ducken sich lieber vor der längst fälligen Diskussion weg.
Aus meiner Sicht spricht viel dafür, dass die Austragung der WM mehr Möglichkeiten zur Thematisierung und Bekanntmachung der politischen Verhältnisse im Land bietet als ein Boykott. Das belegen die derzeitigen Diskussionen im Vorfeld der Fußball-EM in der Ukraine oder des Eurovision Songcontests in Baku.
Dennoch ist sicher, dass der Sport seine politische Verantwortung nicht länger ignorieren kann. Je mehr repressive Staaten den Zuschlag erhalten, desto zweifelhafter wird die stets vorgetragene Unabhängigkeit der Entscheidungen, etwa mit der Bahnrad-WM 2013 in Minsk, der Basketball-WM 2013 in der Ukraine, der Olympiade 2014 in Sotschi sowie der Eishockey-WM 2016 und der Fußball-WM 2018 in Russland. Die Sensibilität der Öffentlichkeit nimmt zu und der Druck auf die Verbände, klare Kriterien für die Vergabe zu formulieren und Haltung zu zeigen steigt weiter.








