"Gauck ist ein redlicher Kandidat"
Zugleich bezeichnete er es als Wink der Geschichte, dass Gauck, der 18. März 1990 als Vertreter der Bürgerbewegung in die erste freie Volkskammer eingezogen sei, "dass dieser Vertreter einer Bürgerbewegung nun unser Bürgerpräsident wird. Das ist ja sein politischer Ansatz: etwas zum Aufbau einer Bürgergesellschaft beizutragen."
Dass Gauck ebenso wie Merkel aus dem Osten Deutschland stammt, wertete Schulz als Chance. Schulz deutete das im Gespräch mit MDR INFO auch als Hinweis darauf, "dass Menschen mit Lebenserfahrung, die auch Brüche in ihrem Leben haben, die Krisen bewältigt haben, eher aus dem Osten kommen (…), wo man den Wert von Freiheit, den Wert von Demokratie besonders zu schätzen weiß und begriffen hat."
Schulz verwies darauf, dass der Ost-West-Unterschied nicht mehr ein so großes Gewicht haben sollte. Gauck sei zudem eine Persönlichkeit, die Brücken in der Gesellschaft bauen könne. Zudem sei Gauck ein Mensch, der Klartext reden könne. Er gehöre zu denen, "die eine deutliche Meinung vertreten, die nicht feige sind". Allerdings habe er auch unbequeme Ansichten, über die man reden müsse. Allerdings sei ein Bundespräsident auch nicht dazu da, "um uns alle zu streicheln oder uns allen nur zu gefallen". Er müsse anregen, orientieren und den gesellschaftlichen Diskurs befördern: "Da ist Joachim Gauck der richtige Mann. Jemand, der rhetorisch brillant ist, der klar denken kann, der sich nicht scheut, die Meinung, die er hat, auch auszusprechen, auch wenn er weiß, dass er gegen den Wind spricht."
Gaucks Ankündigung, als Bundespräsident die Menschen abseits der Politik wieder einladen zu wollen, Verantwortung zu übernehmen, versteht Schulz als Versuch Gaucks, die große Politikverdrossenheit im Land zu bekämpfen. "Joachim Gauck möchte, dass wir wieder Gefallen finden an dieser Demokratie, dass wir uns engagieren. Dass wir begreifen, dass wir in einem wirklich tollen Land leben und dass wir das nicht aufgeben und gefährden dürfen. Und er möchte, dass man Leute, die sich von diesem Politikbetrieb angewidert abgewendet haben, zurückholt."








