19. November 2011

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Diskussionen zur europäischen Finanz- und Schuldenkrise in Moskau

Neben den anstehenden Duma- und Präsidentschaftswahlen sind die momentane Schuldenkrise und die Spekulationen um die Zukunft des Euros und Europas ein wichtiges politisches Thema in Russland. In diesem Zusammenhang nahm ich währende meines Besuches in Moskau Anfang November 2011 an zwei öffentlichen Diskussionsrunden teil, bei denen ich meine Ansichten zur aktuellen Krise, ihre Ursachen und Folgen darlegen und gemeinsam mit den Teilnehmern der Veranstaltungen diskutieren konnte.

 Am 1. November fand im Sacharow-Zentrum der monatliche Jour-Fixe der Heinrich Böll Stiftung in Moskau statt. Gemeinsam mit Maxim Blant (Wirtschaftsjournalist für Newsru.com), Jens Siegert (Heinrich Böll Stiftung Russland) und dem trotz später Stunde zahlreich erschienenen Publikum versuchten wir die Zusammenhänge der hohen Verschuldung einzelner Staaten zu klären, diskutierten mögliche Auswege aus der Krise und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für zukünftiges politisches Handeln auf europäischer und nationaler Ebene.

Am 2. November hatte ich dann die Gelegenheit mich mit den Studenten und Lehrkräften des renommierten Moskauer Universität MGIMO (Staatliches Moskauer Institut für Internationale Beziehungen) zu treffen. Die Zusammenkunft war vom deutschen Lehrstuhl und der Heinrich-Böll-Stiftung organisiert worden. Die Studenten der Uni, die in Russland im Durchschnitt 1-2 Jahre jünger sind als üblicherweise in Deutschland, zeigten ein großes Interesse an der europäischen und deutschen Sicht der momentanen Probleme in Griechenland, Italien und andern Euro-Ländern und stellten dazu viele interessante Fragen. Die meisten von ihnen sprachen ein beeindruckend gutes Deutsch, so dass das Gespräch komplett in deutscher Sprache geführt werden konnte.

Beide Gesprächsrunden zeigten, dass sich viele Menschen in Russland, ähnlich wie vielerorts in Europa, mit der Frage der "sozialen Gerechtigkeit" beschäftigen. Bei beiden Veranstaltungen drehte sich die Diskussion in erster Linie um die Motive der EU bzw. Deutschlands zur Rettung hochverschuldeter Euro-Staaten. Man fragte mich nach den Konsequenzen, die beispielsweise ein Austritt Griechenlands oder Deutschlands aus der Eurozone und die Rückkehr zu alten Währungen mit sich bringen würden. Ich erklärte, wie wichtig der Euro für den Zusammenhalt der EU ist und welche große Bedeutung die Solidarität und gemeinsame Problemlösung der Mitgliedsstaaten für uns haben.

Eine vollständige Videoaufzeichnung des Vortrages und der Diskussion mit den Studenten von MGIMO, sowie einen Bericht in russischer Sprache finden Sie auf der offiziellen Website des MGIMO

Werner Schulz

Ex-MdB/MdEP – DDR-Bürgerrechtler

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"Es lebe die russische Verfassung!

Grafik; Ivan Kolesnikow und Sergej Denisow, 2008

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